Labor 1Malte Brekenfeld



Drinnen und draußen -
sag nie etwas ohne die Maske des roten Hummers
1997 / Mischtechnik und Collage / ca. 110 x 120 cm



Ritter, Tod und Teufel auf dem Balkan
Mischtechnik und Collage / ca. 120 x 110 cm

















Ausstellungen  
Die Begegnung

Sonne, die ihr Weiß auf milchigen Nebel pinselt, zieht mich am Kragen
aus schwitzigem Bett. Morgenwelt - ein windstilles Gewusel aus alten
Weiberhaaren, totem Gras und glitzerndem Taugesprenkel.
Zähneputzen - eine Schale Kaffee - Zigarette - Kaugummi - Milch
für die quäckigen Katzen vor der Tor - ins Gras pinkeln -
die Angelruten in den Kofferraum legen - ewig starten -
zehn Minuten durch nasse Luft & schlierig-besonnte Landschaft fahren -
Motor aus - Ruten raus; (Wiesentau zerstiebt unter den latschenden
Gummistiefeln, ein Fischreiher streicht lautlos beleidigt ab, ein
Kormoran, von dem es tropft, ein Schoof schreiender Stockenten).
Die Posen klatschen in dunkles kaltes Wasser, ich setze mich, noch
beißt nichts, werde schläfrig, versinke ...
Ein linkerhandgelegenes Gebüsch wird laut, auch Zweige knacken und
Schilf bricht. Binsenknicken und Morast gluckst. Gleich darauf vemehme
ich die Stimmen zwelerMänner. Ein französischer Akzent in einer
der Stimmen.
Na sowas!
Die Kippe flink ins Wasser geschnipst und rangeschlichen hab sle
jetzt in einer Entfernung von etwa 20 Schritten vor mir. Komisch -
keine Angst im Herzen oder im Bauch!
Groteske Szenerie: tatsächlich zwei Männer, einer sieht Gilles de Rais,
der andere Mörder Haarmann ähnlich. Beide barhäuptig,
bargemätig auf allen Vieren einander gegenüberkauernd. (Ist Paul Klee
schon wieder vor mir hier gewesen!) Es ist Sonntag, ruhig und verhalten
hell und dann das!
Ich höre zu:
G. de R.: Ich seh den Kleinen an, so wunderschön wie er dasteht -
schmutzig, braungebrannt und äßerst beliebt!
Ha.: Er war dick?
G. de R.: Ganz und gar nicht, ein Zweig, ein Glasäalchen, gleich
der Eurydike, nur ein Knäblein eben.
Ha.: Seine Haut. Sag mir was über seine Haut!
G. de R.: Glatt, eben, trocken, braun wie gesagt.
Ha.: ... Sein Haar war schwarz und widerborstig, mit einem Schleier
von Staub überzogen, es würde beim Rasieren in schweren Flocken
lautlos zu Boden fallen ...
G. de R.: B1ödsinn! Sein feines Haupt, welches noch kein Anflug eines
Bartes verunreinigte, zierte eine alte Kapuze aus blauer Chenille,
darunter ein geschorener Langschädel a la Nofretete.
Ha.: Aber seine Augen waren weit, schuldlos und blitzten dich an
wie Amethysten ...
G. de R.: NEIN! Hör mir doch zu! Seine Augen, genau seine Augen gaben
den Anlaß, mich abzuwendeni Seine Augen blitzten nicht! Klein waren sie,
rot gerändert - ohne Feuer, ohne Glanz!
Ha.: Welch ein Jammer! Du ließest ihn also gehen?
G. de R.: So war's!
Ha.: (flüsternd) Still Da drüben - ein Angler in hohen Stiefeln und mit
Regencape.
G. de R.: (grinsend) Es ist der gute alte Hitler er trägt einen
Backenbart - pfui Teufel!
Ha.: Hallo Hitler! Willst Du auf Hecht gehen?
Hitler: Auf Hecht, jawolll! Und Ihr? Schwuchtelt hierrr rrum im
Kebüsch?!
Ha.: Sleg Heil! Schwuchteln nicht rrum, Herr Adolfo!
Hitler: Laß den Quatsch - die Zeiten sind vorbei!
G. de R.: Ach, daher der gewichtige Backenbart. Dolfi, du siehst einem
bretonischen Schnepfenjäger nicht unähnlich oder einem neu-mecklen-
burgischen Sonntagsangler! Die lieben Kleinen besuchen nicht etwa die
hiesige Waldorfschule?
Hitler: Man keht mit derrr Zeit! Ich bin sicherr, Du sodomierst
ausschließlich im Internet, hütest dich, Deinen Fingern das Würgespiel
live zu gestatten! Und Du, Haarrrmann: Machst doch deine Leberwurst
sicher nicht mehr im eigenen Kellerr in diesen sonnigen Tagen?!
Ha.: Was für einen Wagen fährst du, Hitler?
Hier wurde es mir zu dumm! Ich warf einen faustgroßen, bemoosten Stein
nach den Dreien. Gerade da focht sich die Sonne pathetisch durch einen
letzten Hauch von Nebel. Rohrammem, Schwirle, Zaunkönige, Bartmeisen,
Seggenrohrsänger, Unken und Bachjungfern konzertierten grandios.
Wind kräuselte urplötzlich und ornamentierte die bis eben ruhende
Wasseroberfläche. Ein Düsenjäger zerdonnerte die tirilierende
und schillemde Eintracht.
Der Stein traf Hitler am linken Oberschenkel.
ALLESINVOLLDECKUNG!!! brüllte Hitler. Sie entdeckten mich und kamen
krachend durch das Schilf auf mich zugestürmt. Die Lage schien emst.
Ich wetzte los, was die Stiefel hergaben ...
Ich war wohl eingeduselt, weggenickt, schlummerte.
Der Wind frischte auf, kam über die Weiden gestrichen wie eine
rollige Katz. Die Posen schaukelten. Nichts biß.
Mein Blick: Erst Spinnweben, dann Schachtelhalm, Wassernuß,
Entengrütze und Teichmummel, dann braunes Wassergeglitzer, dahinter
ein lichter Pelz aus Weiden und Erlen und Pfaffenhütchen, dann welliges
Wiesenterrain, dann Ackerbraun und mit Schwalben gepunktetes Himmelsblau,
dazwischen das Zinkgrau eines auf Kredit gebauten Getreidesilos.

(1993/98)
 
 

Malte Brekenfeld  

  Einzelausstellungen
1989 Galerie Galeere 222, Berlin 
1990, 96 Galerie Donath, Troisdorf 
1991 Tor-Galerie, Teterow
1992 Galerie Eisenwerk, Berlin
1993, 94, 95, 97 Sperl Galerie, Potsdam
1996 Olaf Clasen Gallery, Köln
»Der 2000-Füßler«, Galerie im Staudenhof, Potsdam
1998 Galerie im Kloster, Ribnitz-Damgarten

  Ausstellungsbeteiligungen
1995 »New Artists«, The Delfina Studio Trust, London
1996 »Weg in die Stille«, Nikolaikirche, Rostock
»Kunst und Umwelt«, Wollweberhalle, Güstrow
»Junge Kunst aus Mecklenburg-Vorpommern«, Museum für Junge Kunst, Frankfurt/Oder
»Leipziger Bildermesse«, Grassi-Museum, Leipzig
»Projekt 8«, Sperl Galerie am Gendarmenmarkt, Berlin
»Deutsch-Chinesisches Pleinair«, Petri-Galerie, Rostock
1997 »Ch. Beck, Berlin, P. San Martin, Chile, A. Mouton, USA und 
M. Brekenfeld, Repnitz«, Tor-Galerie, Teterow
»Moritz Götze, Rocco Pagel, Malte Brekenfeld«, Palais Galerie, Berlin
A. R. Penck, G. Vetere, M. Brekenfeld, Galerie Steinacker, Koblenz
1998 »Bilder von R. Brauner und M. Brekenfeld«, Sperl Galerie am Gendarmenmarkt, Berlin

  Stipendien, Preise
1994 Ein-Jahres-Stipendium des The Delfina Studio Trust, London
1995/96 Canoria Centre for Art, Ahmedabad, Indien (4 Monate)
1995 Mathew Radfort-Preis für junge Malerei, London